Die bittere Wahrheit über Schokolade in unseren Supermärkten

Alle mögen Schokolade?
Schokolade ist eine der beliebtesten Süßigkeiten weltweit. Längst sind Schokoladenprodukte vom Luxus- zum Massenkonsumartikel geworden. Der Absatz ist in Europa mit 47% Anteil am Weltmarkt am höchsten, gefolgt von den USA mit 20%. (1)  Deutsche und ÖsterreicherInnen essen jährlich über 9 Kilogramm pro Kopf und gehören damit zu den europäischen SpitzenreiterInnen, oft jedoch ohne zu wissen, unter welchen menschenunwürdigen Bedingungen Schokolade hergestellt wird. (2)

Gegessen im Norden, produziert im Süden
Wird der Großteil der Schokolade im Globalen Norden konsumiert, so wird der wichtigste Rohstoff – Kakao - ausschließlich im Globalen Süden in Afrika, Lateinamerika und Asien angebaut. (3) Aufgrund der besonderen Wachstumsvoraussetzungen konzentriert sich der Anbau von Kakao auf einige wenige Länder entlang des Äquators. Mit 70% stammt der Großteil des weltweit angebauten Kakaos aus den vier westafrikanischen Ländern Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria und Kamerun. In diesen Ländern liegt der Kakaoanbau zu 90% in den Händen von Kleinbäuerinnen und -bauern, die durchschnittliche Größe der Kakaofarmen liegt im Durchschnitt bei 4.8 Hektar. (4)

Die Wertschöpfungskette von Kakao: Wer profitiert und wer verliert?
Die Wertschöpfungskette von Schokolade ist sehr komplex, undurchsichtig und geprägt von einem massiven Markt-Ungleichgewicht zu Lasten der Kleinbäuerinnen und -bauern im Globalen Süden. Die Verarmung der KakaoproduzentInnen, die Ausbeutung von (migrantischen) LandarbeiterInnen, ausbeuterische Kinderarbeit und katastrophale Umweltauswirkungen sind traurige aber zentrale Merkmale der globalen Schokoladeindustrie von heute.

Harte Konkurrenz und Marktkonzentration
Der hochkompetitive Kakao- und Schokolademarkt wird von wenigen großen Konzernen dominiert. Während diese Konzerne um Marktanteile und höhere Profite ringen, erhalten Millionen von KakaoproduzentInnen einen immer noch kleinen Anteil der Gewinne.
Fünf Großkonzerne dominieren die Vermahlung und den Handel von Kakao: Cargill (USA), Barry Callebaut (Schweiz), ADM (USA), Petra Foods (Singapore) und Blommer (USA). Zusammen halten sie einen Anteil von über der Hälfte des Marktes. (5)

Ungleiche Verteilung der Wertschöpfung
Wie auch bei anderen Gütern des globalen Welthandels, geht der Löwenanteil der Wertschöpfung an die transnationalen Konzerne im Globalen Norden. Den Bäuerinnen und Bauern in den Anbaugebieten kommen nur etwa 6,6% des Gesamtpreises einer Schokoladentafel zu Gute. In den 1980er Jahren betrug deren Anteil noch etwa 16%. (6) Im Gegensatz dazu landet ein Anteil von 87% des Gesamtpreises von Schokolade in den Taschen von Kakaoverarbeitungsunternehmen, Schokoladenerzeugern und Supermärkten. Bei letzteren Akteuren kann, aufgrund der zunehmenden Marktkonzentration und der steigenden Produktion von Eigenmarken, eine Zunahme der Marktmacht von Supermärkten als auch eine steigende Abhängigkeit der ProduzentInnen von diesen prognostiziert werden.

Preisverfall mit katastrophalen Folgen
Die massiven Machtungleichgewichte zwischen Kleinbäuerinnen und –bauern und den transnationalen Konzernen sind ein Grund für die Preissenkungen bei Kakao in den letzten Jahren. Während die Gewinnspanne der Konzerne seit den 1980er Jahren stark gewachsen ist, haben sich die realen Preise für Rohkakao zwischen 1950 und 2010 beinahe halbiert (inflationsbereinigt). (7) Niedrige und schwankende Preise werden zur Existenzbedrohung.

Soziale und ökologische Herausforderungen im Kakaoanbau
Durch den jahrzehntelangen ausbeuterischen Kakaohandel ist, trotz der positiven Marktentwicklung, die Existenz vieler Kakaobäuerinnen und -bauern nicht mehr gesichert: gravierende soziale und ökologische Probleme sind die Folge. Oft sind die Kakaobäuerinnen und -bauern allein auf die Einkünfte aus dem Kakaoanbau angewiesen. Diese einseitige Abhängigkeit von Kakao als Cash- Crop verstärkt die Problematik schwankender und niedriger Preise. Die fehlende Organisation vieler KakaoproduzentInnen in Kooperativen und der mangelnde Zugang zu Krediten und Geräten verstärken die prekäre Situation. Durch das Fehlen von landwirtschaftlichen Trainings wird es den Bäuerinnen und Bauern zudem erschwert, die Produktivität und Qualität im Kakaoanbau zu verbessern. (Illegale) Abholzung von (Regen-)wäldern sowie Wasser- und Bodenverschmutzung aufgrund des Einsatzes gefährlicher Pestizide und Düngemittel sind nur zwei der gravierenden Umweltprobleme, die ein unnachhaltiger Kakaoanbau nach sich zieht.

Was können Sie als KonsumentIn/BürgerIn tun?

  • Als KonsumentIn können Sie durch bewusstes Einkaufen etwas verändern, als BürgerIn können Sie helfen Druck auf Firmen aufzubauen, damit diese faire und nachhaltige Rahmenbedingungen entlang der Produktionsketten schaffen.
  • Treffen Sie beim Einkaufen die richtige Wahl!
    Entscheiden Sie sich beim Einkauf für zertifizierte Schokolade mit dem FAIRTRADE, UTZ, Rainforest Alliance sowie BIO-Siegel.
  • Schreiben Sie Ihrem Supermarkt!
    Wenn Sie mit der Auswahl an zertifizierten Schokoladen in Ihrem Supermarkt nicht zufrieden sind, schreiben Sie ihrem Einzelhändler oder posten Sie Ihre Meinung auf seine sozialen Plattformen.
  • Verbreiten und verlinken Sie unsere Website www.supplychainge.org


SCHOKOLADEN-Check 2017



SCHOKOLADEN-Check 2016


Stellungnahmen Osterhasen-Check 2016


Stellungnahmen Schokoladen-Check 2016


Rückfragen gerne an:

Südwind, Martin.Haselwanter[at]suedwind.at


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Quellen:

(1) International Cocoa Organization (2013): Quarterly Bulletin of Cocoa Statistics, Volume XXXIX No.2, Cocoa Year 2012/13, Tabelle 37
(2) International Cocoa Organization (2013): Quarterly Bulletin of Cocoa Statistics, Volume XXXIX No.2, Cocoa Year 2012/13, Tabelle 41
(3) International Cocoa Organization (2015): Quaterly Bulletin of Cocoa Statistics, Volume XLI No.4, Cocoa year 2014/2015 (http://www.icco.org/about-us/international-cocoa-agreements/cat_view/30-related-documents/46-statistics-production.html, 01.03.2016)
(4) World Cocoa Foundation (2012): Cocoa market update, S.1
(5) Hütz-Adams, F./ Fountain, A.C. (2012): Cocoa Barometer 2012, S.5
(6) Südwind et al. (April 2015): Factsheet “Die bittere Wahrheit über Schokolade”, S.2, Abbildung 2 (at.makechocolatefair.org, aktualisiert mit Zahlen aus: www.icco.org/about-cocoa/chocolate-industry, 2.2016)
(7) VOICE Network (2015): Cocoa Barometer, S.34